Die lange Luthernacht

Am 27. Oktober, dem Freitag vor dem Reformationsfest, wird in allen evangelischen Kirchen und Einrichtungen im Dekanat München die Lange Luthernacht gefeiert. Auch Andreas ist dabei: mit einem Luther-Vortrag von Pfarrer Johannes Schuster, einer Podiumsdiskussion ("Darum Luther!") und Beiträgen von Kantorei und Posaunenchor.

Nachdem wir uns als Christengemeinde seit langem mit Luther und der Reformation beschäftigen (ein Höhepunkt war vor einem Jahr unsere Gemeindereise u.a. zur Wartburg und nach Wittenberg), soll diese Luthernacht der Abschluss des Reformationsjubiläums für unsere Kirchengemeinde sein. Wie es sich so trifft, wird diese Luthernacht innerhalb unserer Veranstaltungsreihe „Treffpunkt Gott und die Welt“ die bisher 95ste Veranstaltung sein. Die Reihe startete im Herbst 2009 und buchstabierte im Frühjahr 2010 erstmalig und ausführlich Luther und im Besonderen die Rechtfertigungslehre durch. Es ist dies also – diesen billigen Kalauer erlauben wir uns – unsere 95. und damit letztgültige These dazu, wieso wir eigentlich eine lutherische Gemeinde sind!

Genau darum soll es an diesem Abend gehen: Pfarrer Johannes Schuster wird einen grundsätzlichen Vortrag zu Luther bringen – denn Luther mag zwar einer der bekanntesten Deutschen sein, seine Lehre aber ist weit weniger bekannt – und auslegungsbedürftig. In einer Podiumsrunde aus Vertretern unserer Gemeinde und aus unseren katholischen Nachbargemeinden wollen wir erörtern, was das lutherische Dasein eigentlich ausmacht. Wie sehen wir (Lutheraner) uns? Wie sehen die anderen (Katholiken) uns? Und natürlich auch: Wie sehen wir (die Lutheraner) sie (die Katholiken)? So könnte dieser Abend, im besten Fall, ein doppelgesichtiger sein: eben eine konfessionelle Selbstvergewisserung, wer wir eigentlich sind und woher wir kommen; und dann die womöglich sehr selbstgenügsame Feststellung, welche Bedeutung die Religion, die Konfession heute, sozusagen unter den Bedingungen der säkularen Gegenwart, überhaupt noch hat. Schließlich, weil wir in Bayern leben und Katholiken unsere Nachbarn sind und eine gelingende Ökumene unsere Daueraufgabe, können wir uns klar machen, wie lang der Weg der christlichen Konfessionen zur Toleranz eigentlich war.

Kleines PS: Luthers 95. These lautete „(...) und daß die (Christen) lieber darauf trauen, durch viele Trübsale ins Himmelreich einzugehen, als sich in falscher geistlicher Sicherheit zu beruhigen.“ Soviel zur protestantischen Selbstvergewisserung!

Lutz Taubert